DIABOLISCHER WEIHWASSERBEHÄLTER AUS TERRAKOTTA, 17. JAHRHUNDERT
DIABOLISCHER WEIHWASSERBEHÄLTER AUS TERRAKOTTA, 17. JAHRHUNDERT
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Seltener polychromer Wand-Weihwasserbehälter aus Terrakotta, der einen dämonischen Kopf mit herausgestreckter Zunge darstellt. Das Stück von großer expressiver Kraft zeigt ein grimassierendes Gesicht mit überzeichneten Zügen, spitzen Ohren, gebogenen Hörnern, wütendem Blick und herabhängender Zunge – eine bewusst furchterregende Ikonographie, die dazu bestimmt war, das Böse auf Distanz zu halten.
Unter der alten Malschicht tritt stellenweise der rote Ton hervor, was von einer authentischen Patina über mehrere Jahrhunderte hinweg zeugt. Trotz kleiner Abplatzungen und einer alten, stabilisierten Rissbildung ist das Ensemble für ein liturgisches Objekt des 17. Jahrhunderts bemerkenswert gut erhalten.
Die Verwendung einer dämonischen Figur als Weihwasserbehälter mag überraschen. Dennoch gehören solche Objekte zu einer heute nahezu verschwundenen apotropäischen Tradition: das Bild des Dämons selbst zu benutzen, um ihn zu bändigen, zu erniedrigen und von heiligen Orten fernzuhalten. In einigen ländlichen Kirchen der alpinen und südlichen Regionen wurden unter den Weihwasserbecken grimassierende Gesichter, bisweilen offen dämonisch, geschnitzt, deren Missgestalt und höllischer Ausdruck die bösen Einflüsse abschrecken und daran erinnern sollten, dass das Böse buchstäblich unter das Heilige gestellt war. Der herabgesetzte Kopf trug das Becken wie ein besiegter Diener, dazu verurteilt, das Weihwasser zu tragen, das er fürchtete. So wurde die verhasste Kreatur gezwungen – beinahe gedemütigt –, dem Segen selbst zu dienen.
Wer seine Finger in das Wasser über dieser höllischen Figur tauchte, vollzog eine schützende Geste, erfüllt von einer intuitiven und alten Frömmigkeit, in der man die Furcht vor dem Dämon nicht der Kraft der Gnade entgegenstellte, sondern beide gemeinsam nutzte, um das Unsichtbare auf Abstand zu halten. Nur sehr wenige Exemplare haben überlebt; die meisten wurden im 19. Jahrhundert während kirchlicher „Reinigungen“ und Umgestaltungen zerstört, da sie als zu volkstümlich, zu beunruhigend oder zu sehr mit alten symbolischen Traditionen verbunden galten.
Einer der sehr seltenen dämonischen Weihwasserbehälter, die noch in einem religiösen Gebäude erhalten sind, befindet sich in der Kirche von Rennes-le-Château, berühmt geworden durch die Geheimnisse um Abbé Bérenger Saunière. Dieses Weihwasserbecken, das einen knienden Teufel zeigt, der das Becken trägt, gehört derselben Tradition an: die Gestalt des Bösen umzulenken und sie zu einem widerwilligen Diener zu machen, der daran erinnert, dass selbst der Teufel gezwungen werden kann, Weihwasser zu tragen. Die Nähe zwischen diesem Exemplar und dem vorliegenden ist offensichtlich: dieselbe Spannung zwischen Sakralem und Groteskem, derselbe paradoxe Einsatz infernaler Ikonographie im christlichen Kontext, dieselbe Faszination für spirituelle Ambivalenz.
Dämonische Weihwasserbehälter zählen heute zu den seltensten liturgischen Objekten des volkstümlichen Katholizismus. Dieser Objekttyp steht an der Schnittstelle zwischen altem volkstümlichem Katholizismus, ländlicher Schutzmagie und frühen Formen christlicher Esoterik. Er zeugt von Volkspraktiken, die in den Archiven oft fehlen, aber tief in der religiösen Kultur des 17. Jahrhunderts verwurzelt waren. Man erkennt darin eine gelebte, instinktive Theologie, in der die Furcht vor dem Dämon mit der Gewissheit einhergeht, dass die Sakramentalien – hier das Weihwasser – über alle infernalen Mächte siegen.
Zustand: Alte Gebrauchsspuren, abgeplatzte Polychromie, stabilisierte Rissbildung — Zustand alters- und nutzungsgerecht.
EPOCHE : 17. Jahrhundert
ABMESSUNGEN : ca. 24 cm × 20 cm
GRÖSSE : ca. 9,4" × 7,8"
Über seinen historischen Wert hinaus besitzt dieses Objekt eine besonders starke, beinahe theatralische Präsenz. Seine symbolische Kraft — halb religiös, halb esoterisch — macht es zu einem außergewöhnlichen Stück für Sammler volkstümlicher sakraler Kunst, apotropäischer Objekte oder von Artefakten, die mit dem Dämonischen in der christlichen Kultur verbunden sind.
