SCHÄDEL EINES VERDAMMTEN AUS GESCHNITZTEM HOLZ UND SCHMIEDEEISEN
SCHÄDEL EINES VERDAMMTEN AUS GESCHNITZTEM HOLZ UND SCHMIEDEEISEN
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Dieses außergewöhnliche Objekt ist ein seltenes Beispiel für die sogenannten „angeketteten Büßerköpfe“, die auch als „Schädel der Verdammten“ oder „Köpfe verdammter Mönche“ bezeichnet werden. Es handelt sich um ein religiöses Votivobjekt aus Tirol oder Süddeutschland – Regionen, die im 18. Jahrhundert von einer ausgeprägten Bußkultur geprägt waren, die aus dem nachtridentinischen Katholizismus hervorging.
Das Werk besteht aus zwei aus Holz geschnitzten Schädeln, die Rücken an Rücken angeordnet und durch ein schmiedeeisernes Band miteinander verbunden sind, das zwischen den beiden Schädeldecken verläuft. Diese Fassung setzt sich in einer beweglichen Aufhängevorrichtung aus Schmiedeeisen fort, die aus langen Streben besteht, deren Enden durch Ringe miteinander verbunden sind. Das vollständig von Hand geschmiedete Eisen weist eine unregelmäßige Oberfläche sowie eine ausgeprägte Oxidationspatina auf, die dem hohen Alter des Ensembles entspricht.
Die beiden Köpfe sind realistisch geschnitzt, jedoch ohne Unterkiefer, was den Eindruck von Entpersonalisierung und völliger Entblößung noch verstärkt. Sie weisen leere Augenhöhlen, weit geöffnete Nasenhöhlen und eine leicht gestreckte ovale Form auf, wodurch ihr gespenstischer Charakter zusätzlich betont wird. Die Oberfläche ist mit einer hellen Grundierung überzogen (vermutlich auf Leim- und Kreidebasis), die heute rissig ist und die trockene, poröse Struktur von Knochen imitiert. In den Vertiefungen sind noch Reste einer braunen Polychromie sichtbar, welche die Schatten verstärken und die Tiefe der Gesichtszüge hervorheben.
Derartige Objekte wurden häufig mit Büßerbruderschaften in Verbindung gebracht, insbesondere mit den Schwarzen Büßern, die Rituale der Reue und der Meditation über den Tod praktizierten, vor allem während der Karwoche. In Oratorien oder Totenkapellen aufgehängt oder bei Prozessionen mitgeführt, dienten diese Köpfe als eindringliche visuelle Instrumente, die die Gläubigen an die Kürze des Lebens, die Notwendigkeit der Reue und die Unausweichlichkeit des Jüngsten Gerichts erinnern sollten.
Dieses zugleich makabre und devotional geprägte Ensemble, nüchtern, ausdrucksstark und von starker theologischer Symbolik, stellt ein seltenes Zeugnis der alpinen Barockfrömmigkeit dar, in der die Darstellung des Todes kein Tabu war, sondern als Weg zum Heil verstanden wurde. Es würde ebenso gut seinen Platz in einer Sammlung sakraler Kunst wie in einer Kunst- und Wunderkammer finden. Das Fehlen der Unterkiefer, der frontale Blick aus den leeren Augenhöhlen sowie die rohe Materialität von Eisen und Holz verstärken den Eindruck von Stille, Spannung und ewiger Meditation.
EPOCHE : 18. Jahrhundert
ABMESSUNGEN : 17 cm × 10 cm
GRÖSSE : 6,8" × 4"
