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SARGTUCH – 19. JAHRHUNDERT

SARGTUCH – 19. JAHRHUNDERT

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ref: #RK00-980

Sargtuch aus schwarzem Samt mit Silberfadenstickerei – 19. Jahrhundert

Frankreich, um 1835–1865

Seltenes und elegantes zeremonielles Sargtuch aus dem 19. Jahrhundert, auch als Bahrtuch bezeichnet, das dazu bestimmt war, den Sarg während Gottesdiensten und Trauerzeremonien zu bedecken.

Es besteht aus hochwertigem schwarzem Samt und ist vollständig mit handgearbeiteten Stickereien aus silbernen Metallfäden verziert, die in verschiedenen Techniken der Anlegearbeit und Füllstickerei ausgeführt wurden. Die Komposition ist um ein großes lateinisches Kreuz angeordnet, das aus feinen vegetabilen Ranken gebildet wird und die gesamte Fläche des Textils harmonisch gliedert.

Die Bordüren sind reich mit Efeuranken, Blüten und stilisiertem Blattwerk bestickt. Die vier Ecken werden von großen funerären Emblemen eingenommen, die von eleganten floralen Kompositionen gerahmt sind. An allen vier Ecken haben sich zudem die originalen Posamentenquasten erhalten, bestehend aus metallischen Fransen, gedrechselten Holzkugeln und geflochtenen Kordeln – Elemente, die bei Textilien dieser Art nur selten erhalten geblieben sind.

Eine alte, von Hand angebrachte Fütterung aus schwarzem Leinen vervollständigt das Ensemble.

Eine raffinierte Ikonographie des Memento Mori

Die Verzierung entfaltet ein dem Memento Mori gewidmetes ikonographisches Programm, das den Gläubigen zur Betrachtung der Vergänglichkeit des irdischen Lebens und der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung einlädt.

Zu erkennen sind insbesondere:

  • eine Dornenkrone mit den drei Nägeln der Passion, Symbol für das erlösende Opfer Christi und den Sieg über den Tod;
  • zwei geflügelte Sanduhren, die an das unwiderrufliche Verstreichen der Zeit und die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins erinnern;
  • zwei verhüllte Aschenurnen, Symbole der Trauer, des Gedenkens an die Verstorbenen und der Hoffnung auf das ewige Leben;
  • zahlreiche stilisierte Tränen oder Flammen, die an die Tränen der Trauer und die für die Seelen der Verstorbenen dargebrachten Gebete erinnern;
  • Ranken aus Efeu, Blüten und Blattwerk, die mit Treue, der Beständigkeit der Erinnerung und der Hoffnung auf Unsterblichkeit verbunden sind.

Das Gesamtbild zeichnet sich durch eine große Eleganz aus, wobei die vegetabile Ornamentik die funeräre Symbolik mildert, ohne deren spirituelle Ausdruckskraft zu mindern.

Stickerei von bemerkenswerter Feinheit

Die Detailaufnahmen offenbaren eine besonders hohe Qualität der Ausführung.

Im Gegensatz zu zahlreichen Sargtüchern, deren Dekor aus aufgesetzten Metallapplikationen besteht, ist dieses Exemplar mit echten, direkt auf den Samt ausgeführten Stickereien verziert, bei denen unterschiedliche Arten von Metallfäden und Füllstichen verwendet wurden.

Blüten, Blattwerk, Voluten und Embleme weisen eine besonders feine Zeichnung auf und zeugen vom Können einer auf liturgische Stickerei spezialisierten Werkstatt.

Die originalen Quasten, die noch an allen vier Ecken vorhanden sind, stellen ein bemerkenswertes Erhaltungsmerkmal dar und unterstreichen den zeremoniellen Charakter dieses Stückes.

Das Ensemble zeugt von einer qualitätvollen Ausführung für einen repräsentativen liturgischen Gebrauch, vermutlich für eine bedeutende Pfarrei, eine religiöse Bruderschaft oder eine kirchliche Institution.

Zustand

Sehr schöner allgemeiner Erhaltungszustand.

Der Samt hat seine schöne Farbtiefe bewahrt.

Die Metallstickereien sind außerordentlich frisch und klar erkennbar und weisen eine ansprechende historische Patina auf.

Alle vier originalen Quasten sind erhalten.

Lediglich einige unauffällige Gebrauchsspuren und sehr leichte Abnutzungen sind zu erwähnen, die dem Alter und der ursprünglichen Funktion dieses Stückes entsprechen.

Auch die alte Fütterung ist erhalten.

Insgesamt weist das Stück für ein liturgisches Textil dieser Epoche einen bemerkenswerten Erhaltungszustand auf.

Bedeutung

Große, reich bestickte Sarg- und Bahrtücher des 19. Jahrhunderts zählen heute zu den liturgischen Textilien, die nur äußerst selten vollständig erhalten anzutreffen sind. Exemplare, bei denen sich die originalen Quasten erhalten haben, sind besonders selten.

Aufgrund der außergewöhnlichen Feinheit seiner Stickereien, der Eleganz seiner vegetabilen Komposition, der reichen funerären Ikonographie und seines bemerkenswerten Erhaltungszustandes stellt dieses Exemplar ein herausragendes Stück für eine Sammlung historischer Textilien, zum Thema Memento Mori, religiöser Kunst oder historischer Bestattungsrituale dar.

Zugleich besitzt es eine starke dekorative Wirkung und eignet sich hervorragend für eine museale Sammlung, ein Kuriositätenkabinett oder ein historisches Interieur.

Datierung: um 1835–1865
Maße: 220 × 150 cm
Size: 86.6" × 59.1"

Das Memento Mori

Die Ikonographie dieses Sargtuches steht ganz in der christlichen Tradition des Memento Mori – „Bedenke, dass du sterben wirst“. Diese Betrachtung über die Vergänglichkeit des irdischen Lebens sollte die Gläubigen dazu anhalten, sich geistig auf den Tod und das ewige Leben vorzubereiten.

Die geflügelten Sanduhren erinnern an das unaufhaltsame Verstreichen der Zeit, während die Graburnen das gemeinsame Schicksal der Menschen und das Gedenken an die Verstorbenen symbolisieren. Die Tränen stehen für den Schmerz der Trauer und das Gebet der Lebenden.

Im Zentrum verweisen die drei Nägel innerhalb der Dornenkrone unmittelbar auf die Passion Christi. Dieses im Herzen der Komposition platzierte Emblem verleiht dem gesamten Werk seine tiefere Bedeutung: Der Tod erscheint hier nicht als endgültiges Ende, sondern als Übergang im Zeichen des Opfers, der Erlösung und der Hoffnung auf die Auferstehung.

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