LIBELLUS INFIRMORUM – Rituale und Exorzismen, 1692
LIBELLUS INFIRMORUM – Rituale und Exorzismen, 1692
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Operatives katholisches Ritualhandbuch – 17. Jahrhundert
Segnungen, Beschwörungen und Exorzismen
Praktisches Priesterbuch zur Spendung der Sakramente und zur Bekämpfung dämonischer Einflüsse
Gedruckt in Frankfurt im Jahr 1692 gehört das Libellus Infirmorum zu jener Art religiöser Werke, die nicht für die bloße Lektüre, sondern für den unmittelbaren Gebrauch bestimmt waren. Dieses kleine Handbuch steht in der Tradition ritueller Bücher, die den Priester in Situationen begleiten sollten, die als geistlich gefährlich galten: schwere Krankheit, Todeskampf, unerklärliche Störungen, Naturkatastrophen oder Phänomene, die dem Wirken des Dämons zugeschrieben wurden.
Verfasst vom Kapuziner Martinus Cochemensis, einem im deutschen Raum tätigen Prediger, vereint das Werk eine strukturierte Sammlung von Segnungen, Gebeten und Exorzismusformeln, wie sie in der katholischen Praxis der frühen Neuzeit anerkannt waren. Die darin enthaltenen Riten beruhen nicht auf abstrakter theologischer Spekulation, sondern stellen konkrete Antworten auf als dringlich empfundene Situationen dar, in denen das rituelle Wort unmittelbar auf Körper, Seele oder Raum wirken sollte.
Der Dämon wird darin als persönliche und aktive Präsenz verstanden, die fähig ist, Menschen zu plagen, Orte zu beunruhigen und in die Ereignisse der sichtbaren Welt einzugreifen. Der Exorzismus erscheint somit als notwendiger pastoraler Akt, eingebunden in die gewöhnliche Ausübung des priesterlichen Dienstes. Die Formeln nehmen die Gestalt direkter Anweisungen, mit Autorität ausgesprochener Befehle und Anrufungen an, die die geistige Ordnung wiederherstellen sollen. Der Text ist dafür bestimmt, laut nach einer präzisen Abfolge gesprochen zu werden, und nicht zur stillen Betrachtung.
Bereits die materielle Beschaffenheit des Bandes bestätigt diese operative Bestimmung. Das kleine Format erlaubte einen einfachen Transport auf Reisen. Die dichte Typographie, das nüchterne Layout und das Fehlen theologischer Kommentare verdeutlichen eine strikt praktische Funktion: Es handelt sich um ein rituelles Arbeitsinstrument, das während der Handlung verwendet wurde, teils in ernsten oder belastenden Situationen.
Das vorliegende Exemplar bewahrt in besonders eindrucksvoller Weise die Spuren dieses praktischen Gebrauchs. Der zeitgenössische braune Ledereinband mit seiner tiefen Patina zeigt Reibungen, Abnutzung, alte Beschädigungen und Reste heute verlorener Schließen. Diese Veränderungen stellen keine bloßen Mängel dar, sondern zeugen von langjähriger Nutzung, tatsächlicher Zirkulation und wiederholter Verwendung über mehrere Generationen hinweg.
Ein alter deutschsprachiger Sakristeistempel sowie handschriftliche Einträge verstärken diese kirchliche Provenienz und verankern das Werk in einer gelebten Praxis. Das Buch erscheint somit als authentischer Ritualgegenstand, der Gesten, Worte und Glaubensvorstellungen in einer Welt begleitete, in der der Kampf gegen das Böse als konkrete Notwendigkeit angesehen wurde.
Mehr als drei Jahrhunderte alt, stellt dieses Libellus Infirmorum heute ein besonders eindrucksvolles materielles Zeugnis angewandter Dämonologie und des tatsächlichen Gebrauchs von Exorzismusriten im Europa der Neuzeit dar. Es bewahrt die stille Erinnerung an eine Epoche, in der gedruckte Worte als Werkzeuge betrachtet werden konnten, die auf das Unsichtbare einzuwirken vermochten.
Erhaltungszustand und bibliophile Beschreibung
Exemplar in altem Gebrauchszustand. Zeitgenössischer Ganzledereinband aus braunem Leder mit tiefer Patina, Reibungen, Abschabungen, kleinen Fehlstellen sowie Beschädigungen an Kapitalen und Ecken. Sichtbare Reste metallischer Schließen. Rücken berieben und unregelmäßig, als Zeugnis langjähriger Handhabung. Innen insgesamt sauber, Papier gleichmäßig patiniert mit Stockflecken und altersgemäßen Gebrauchsspuren. Vorhanden sind alte handschriftliche Anmerkungen sowie ein deutscher kirchlicher Stempel. Vollständiger und solider Band, sehr charakteristisch für ein tatsächlich verwendetes Ritualhandbuch.
Format : Duodezformat (in-12)
Maße : ca. 15 × 9 cm
Size : ca. 5.9" × 3.5"
Sprache : Latein
Datierung : 1692
Einband : zeitgenössischer brauner Ganzledereinband mit Spuren ehemaliger Schließen
